19.05.2012, Westfalen-Blatt

Chorgesang statt Bollerwagen

Knabenchor und Wuppertaler Kurrende verbringen den Vatertag mal ganz anders

Freunde des geistlichen Liedes sind begeistert: Der älteste Knabenchor der Evangelischen Kirche des Rheinlandes und einer der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands sind am Donnerstag in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche zu erleben gewesen.
Gemeinsam mit dem im Januar 2007 gegründeten Gütersloher Knabenchor bescherte die Wuppertaler Kurrende 100 Besuchern ein Chorkonzert der Spitzenklasse. Höhepunkt war das gemeinsame Singen der beiden Chorgemeinschaften. Die Konzertleitung teilten sich Dietrich Modersohn und Sigmund Bothmann.
Unter dem Motto "Agnus Dei"-Vertonungen aus unterschiedlichen Stilepochen sowie Volkslieder und romantische A-Capella-Werke" eröffneten die 60 Wuppertaler Jungen und Männer, die das verlängerte Himmelfahrtswochenende für eine Konzertreise nutzen, ihren Auftritt in Gütersloh mit Agnus Dei-Gesängen aus verschiedenen Stilepochen. Sie brachten nicht nur die Spiritualität des Werkes "Ascendo ad patrem meum" des 1521 verstorbenen Organisten und Komponisten Arnold Schlick zu Gehör, sondern sangen auch eine Agnus Dei-Vertonung für zehnstimmigen Chor, rückübertragen aus dem gleichnamigen Orgelwerk des 1934 in Ostpreußen geborenen Oskar Gottlieb Blarr.
Agnus Dei ("Lamm Gottes") für vierstimmigen Chor und basso continuo erschuf auch Claudio Monteverdi (1567-1643). "O Lamm Gottes, unschuldig" war eine Wiedergabe für fünfstimmigen A-Capella-Gesang , den Max Reger (1873-1916) komponierte. Eines der bekannteren Werke dürfte das 1967 von Samuel Barber (1910-1981) verfasste "Agnus Dei" für sechs- bis neunstimmigen A-Capella-Chor gewesen sein.
In den gemeinsamen, aber auch wechselweisen Gesängen der Knaben mit den ausgereiften Männerstimmen wurde nicht nur eine sentimentale Romantik und Gläubigkeit sondern auch die stimmliche Brillanz und Strahlkraft der Wuppertaler Kurrende deutlich. Ruhend, konzentriert und innig präsentierten die Kurrendaner mit ihrem Gersang den schönsten Ausdruck des Gotteslobes.
Überaus kräftig und intensiv war auch das Solo "Präludium und Fuge D-Dur" von Johann Sebastian Bach, das Sigmund Bothmann auf der 1951 durch die Firma Steinmeyer erbauten Kirchenorgel zum Besten gab. Echte Hörgenüsse erfuhren die Zuhörer durch die drei Volkslieder "Wer recht in Freuden wandern will", "Im schönsten Wiesengrunde" und "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", die der Knabenchor Gütersloh von der Empore aus sang. Gemeinsam mit den Wuppertaler Sängern präsentierten sie im Anschluss die Weisen "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" und "Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß geh'n". Beide Chöre bestachen durch Präzision, flexible Dynamik und Sauberkeit in den verschiedenen Tonhöhen. Diese Leistungen würdigten am Konzertende die Zuhörer mit lang anhaltendem und herzlichem Beifall.
Gabriele Grund