19.05.2012, Die Glocke

Knabenchor Gütersloh

Den Gästen aus Wuppertal klar überlegen

Zahlreich sind die ersten Plätze auf dem Siegertreppchen, die der Knabenchor der Wuppertaler Kurrende - immerhin der älteste Knabenchor der Evangelischen Kirche des Rheinlands - bei den jährlichen Landeschorwettbewerben bisher schon für sich ersungen hat. Ebenso zahlreich sind die ausgedehnten Reisen, die den Chor ins Ausland geführt haben, davon vier Mal allein in die USA. Da waren die Erwartungen des Auditoriums am Abend des Himmelfahrtstags beim Gastauftritt in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche hoch angesiedelt.
Erfüllen konnte sie der bergische Kurrende-Chor an diesem Abend jedoch nicht in allen Belangen. Am Ende wurde er mit höflichem Beifall bedacht.
Menschen, erst recht junge, sind -Gott sei Dank- keine programmierbaren Maschinen. Da gibt es eben auch Tage, an denen selbst für einen routinierten Klangkörper nicht alles rund laufen will. Dietrich Modersohn, ausgewiesener Kenner seines Metiers und musikalischer Kopf der starken Sängerformation, wird selbst am besten wissen, an welchen Stellen er nachjustieren sollte, wenn es um präzise Einsätze, stimmliche Kongruenz und saubere Intonation geht.
Der erste Konzertteil war im Wesentlichen stilistisch höchst unterschiedlichen Agnus Dei-Vertonungen gewidmet. Max Reger hat sich in seinem "O Lamm Gottes" eng der musikalischen Ausdeutung des Textes verschrieben. Die modernen Vertonungen durch Frank Martin, Karl Jenkins und Samuel Barber übertrafen jene sogar noch an Eindringlichkeit, spiegeln sie doch auf dem Hintergrund zweier Weltkriege in besonderer Weise die Friedenssehnsucht der Menschen des 20. Jahrhunderts wider.
Nach Bachs Päludium und Fuge D-Dur (BWV 532) mit Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann an der Orgel, startete der Knabenchor Gütersloh unter seiner Leitung den zweiten Konzertteil. Knackig wie der Gesang lautet das Urteil: frisch, fromm, fröhlich, frei. "Im schönsten Wiesengrunde" mit seinen großen dynamischen Bögen und den kleinen, wohldosierten dynamischen Abstufungen weckte besonders die Emotionen der Zuhörer. Das hätte man sich auch von dem Vortrag der Volkslieder und romantischen Gesängen der Wuppertaler Kurrende gewünscht.
"Der Jäger Abschied" von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach Worten von Joseph von Eichendorff, beide Inbegriff der Deutschen Romantik, wäre da die richtige Steilvorlage gewesen. Sie wurde aber leider nur bedingt aufgegriffen. Vielleicht war es das Bestreben, nicht in Sentimentalität abzugleiten. Aber da fehlte einfach die romantische Seele, das Feuer, der Funke, der die Begeisterung des Publikums weckt.
Bernd Heumüller