15.03.2012, Die Glocke

Solisten singen in Vaduz und Berlin

Knabenchor Gütersloh

In Stadt und Region hat der Knabenchor Gütersloh sich längst einen Namen gemacht. Jetzt wagt er sich mit seinen jungen Solisten erstmals ins internationale Rampenlicht: Auftritte am 3. Juni im liechtensteinischen Vaduz und am 29. Juni in der Berliner Philharmonie sprechen für sich. Die Konzerte finden in Kooperation mit dem Rundfunkchor Berlin statt. Auf dem Progamm steht Rodion Shchedrins anspruchsvolle, achtstimmige russisische Liturgie "Der versiegelte Engel".
Vier Gütersloher Jungen sind ausgewählt, diese schwierige Partitur mit einzustudieren: Linus Hachenberg (11, Sopran), Simon Borkowski (13, Sopran), der ebenso wie Oliver Qui (10, Alt) schon im Detmolder Landestheater in der "Zauberflöte" solistisch glänzte, und -als Vierter im Bunde- Cuno Lange (9, Alt). Die mit dem Staatspreis ausgezeichnete Komposition, die zur 1000-Jahr-Feier der Christianisierung Russlands entstand, gilt als sehr anspruchsvoll. Genau solche Herausforderungen sucht Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann für den Knabenchor - wohlwissend um die Werbewirksamkeit solcher (Solisten-) Auftritte für den gesamten Chor.
Enttäuschung bei denen, die nun nicht im Rampenlicht stehen, gebe es nicht, sagt Bothmann. Im Gegenteil, die Stimmung sei prima. Aus gutem Grund: Die Knaben arbeiten an ihrer zweiten CD, diesmal mit Kompositionen von Benjamin Britten. Der erste Part mit dessen fünfteiliger Messe in D-Dur ist schon fertig. Demnächst sollen noch die "Christmas Carols" und die "Fridaysongs" dazukommen, um den Musikfreunden die fertige CD passend zu Weihnachten offerieren zu können.
Mit der Messe in D-Dur haben sich die Jungen ein "höllisch schweres Stück" erarbeitet. Dafür sind die Kinder eigens im vergangenen Juli mit vier Betreuern ins bayrische Kreuth gefahren. Im nahe gelegenen Lenggries hat man dann eine "stille, von der Akustik her passende Kirche" gefunden. Unter dem Dirigat von Ernst Leopold Schmid (Landesmusikakademie Heek) und mit Bothmann an der Orgel wurden das Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei an nur einem Tag aufgenommen - obwohl zwei angesetzt waren. Wieder einmal siegten die Professionalität und intensive Ausbildung der Knaben über anfängliche Nervosität und Unsicherheit.
Möglich gemacht hat diese Chorfahrt und CD-Produktion eine 5000-Euro-Spende der Familie-Osthushenrich-Stiftung. Deren Vorstandsvorsitzender Werner Gehring freute sich gestern über ein Vorabexemplar der Aufnahme.
Doris Pieper