07.02.2012, Neue Westfälische / Die Glocke

Hohe Messlatte für junge Sänger / Singen für eine lebendige Kirche

Konzert in der Erlöserkirche bewegte Zuhörer / Konzert der Evangelischen Stiftung

"Diejenigen, denen viel gegeben ist, wenden sich denen zu, die auf partnerschaftliche Hilfe angewiesen sind." Prägnanter lässt sich die Zielsetzung der "Evangelischen Stiftung Gütersloh" kaum umschreiben. Obwohl sie noch nicht auf eine lange Tradition zurückblicken kann, nötigt die Liste der bisher finanzierten Projekte und Fördermaßnahmen Respekt ab.
Ute Luther, die Stiftungsvorsitzende, stellte einige davon besonders heraus, als sie ein erwartungsvolles Auditorium zum jüngsten Konzert der Stiftung in der Erlöserkirche begrüßte. Sie dankte für das Erreichte und lud engagiert dazu ein, sich auch weiterhin "für eine zukunftsfähige, lebendige Kirche" einzusetzen.
Dazu wollen Menschen angesprochen und motiviert werden. Und wie könnte dies in Gütersloh Erfolg versprechender ins Werk gesetzt werden als mit einem Konzert, ausschließlich bestritten von Gütersloher Eigengewächsen aus Knabenchor und Choralsingschule, aus Jugendkantorei und Bachchor. Die wiederum wussten um die Bedeutung eines solchen Heimspiels und liefen, vorbereitet, geleitet und begleitet von Bettina Pieck, Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann und Christian Bonath, zu Höchstform auf.
Mit fünf der heroischen Märsche von Telemann hieß die Bläserformation als Gastgeber die Zuhörer willkommen. "Von Gott will ich nicht lassen" als Tangoversion erforderte sicher etwas Mut zum Unkonventionellen, traf aber voll ins Schwarze, wie wippende Zehen bewiesen.
Kaum ein klingender Name fehlte auf dem Programm, kaum ein Werk, das nicht sofort die Vorstellungskraft jedes einzelnen Zuhörers beflügelt hätte: Schütz und Vivaldi, Händel und Bach, Mozart und Mendelssohn-Bartholdy, Schubert, Schumann, Wolf und nicht zuletzt Bernstein. Allein die Aufzählung dieser stilistisch höchst unterschiedlichen Komponisten aus 500 Jahren beweist, wie hoch sich die jungen Künstler die Messlatte aufgelegt hatten.
Sie meisterten sie alle, angefangen von den Allerjüngsten mit roten Ohren und viel Lampenfieber - was auch sonst? Sie ernteten viel Sonderbeifall des Publikums. "Bald prangt, dem Morgen zu verkünden" aus Mozarts Zauberflöte mit den drei stimmgewaltigen Knaben Linus Hachenberg, Simon Borkowski und Oliver Qui zusammen mit Stargast Catalina Bertucci war wirklich große Oper.
Alina Palus, Sopran, Eike Eifler, Mezzo und Kieran Carrel, Bariton, die schon solistisch zu gefallen wussten, ließen als traumhaftes Terzett ihr wahres Potential erkennen. Mit "Hebe deine Augen auf" aus Felix Mendelssohn-Bartholdys "Elias" verabschiedeten alle jungen Sängerinnen und Sänger die bewegten Zuhörer in den Sonntagabend.
Bernd Heumüller