13.12.2011, Neue Westfälische

Im schönsten Dialekt

"Alpenländische Weihnacht" mit dem Gütersloher Knabenchor

So alt ist der Gütersloher Knabenchor ja noch nicht, dass man von einer Tradition sprechen könnte. Aber erneut Lieder zur "Alpenländischen Weihnacht" auf das Programm seines Adventskonzerts zu stellen, lässt eine Kontinuität erahnen, die beim Publikum auf große Gegenliebe stößt. Rund 450 Zuhörer wollten sich das vom Rotary Club Gütersloh mitorganisierte Konzert in der Martin-Luther-Kirche nicht entgehen lassen.
Aus dem Stand sozusagen konnten die Jungen in Johann Pachelbels "Magnificat" zu Beginn die stimmliche und sängerische Klasse verdeutlichen. Der durch junge Männerstimmen des Bachchores verstärkte und von Sigmund Bothmann sehr präzise geleitete Knabenchor (Begleiter an der Orgel: Andreas Dorfner) bewältigte die Vielstimmigkeit dieser komplexen Musik mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht im Entferntesten an die Arbeit denken ließ, die mit solcher Qualität verbunden sein muss.
Statt flach und anämisch, wie man es selbst bei berühmten Pendants erlebt, sangen die 22 Gütersloher Knaben mit einer warmen Fülle, ohne die Beweglichkeit für die polyphone Struktur einzubüßen. Diese Rundheit des Klangs erwies sich auch für Felix Mendelssohn-Bartholdys Motette "Veni, domine" als ideal, seit langem ein romantisches Paradestück des Chores, der hier und in zwei Motetten von Franz Danzi animierend von Christian Bonath geleitet wurde.
Drei Chorsätze von Michael Haydn, in denen jeweils zwei Kinder solistisch nach vorne traten und durchgehend brillierten , nahm bereits in der Schlichtheit des Duktus die bayerischen Weihnachtslieder vorweg. Zur Durchhörbarkeit des Satzes und der ausdrucksstarken Betonung des Textes trat hier eine Vortragsart, die man natürlich nennen könnte, wäre auch sie nicht ein Ergebnis harter Probenarbeit des nun um weitere jüngere Sänger verstärkten Knabenchors. Nicht nur hatten sie hier sauber zu singen, sondern auch die Texte der zwölf jeweils dreistrophigen Lieder in schönstem bayerischen Dialekt auswendig zu lernen. Das klappte so stimmig, wie die Begleitung der aus München stammenden Harfenistin Regine Kofler, die nicht in Konzertkleidung, sondern stilgerecht in Tracht auftrat.
So sehr auch der Applaus nach jedem Stück die stille Atmosphäre unnötig aufrührte, so sehr war er nach der Abteilung wunderbar innig gesungener deutscher Weihnachtslieder und den zwei Zugaben verdient.
Matthias Gans