19.10.2011, Die Glocke

Auch fürs Singen gilt: Bewegung macht den Meister

Knabenchor im "Klassik-Herbst"

Er ist der Mann, der Sängern Flügel verleiht: John Norris, international renommierter Bewegungstrainer mit kalifornischen Wurzeln, der den Teilnehmern des Gesangswettbewerbs "Neue Stimmen" normalerweise dabei hilft, innere Blockaden abzubauen, damit Stimme und Körper zu preiswürdiger Balance finden, hat gestern mit einer sehr jugendlichen Klientel gearbeitet. Im Rahmen des Begleitprogramms "Klassik-Herbst" bot er dem Knabenchor Gütersloh eine Unterrichtsstunde an - und lernte dabei die Energie der Jungen zu schätzen.
Was braucht man für eine überzeugende Bühnenpräsenz? Logisch, Mann: Konzentration und Offenheit. Wie stützt man am besten seine Stimme? Na, klar doch: durch eine gute Körperhaltung und ein angespanntes Zwerchfell. John Norris traf auf Wissende in seinem Workshop. Keine Frage, diese Chorknaben kennen sich aus. Da macht sich die ambitionierte Schulung durch Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann und dessen Mitstreiter bemerkbar.
Nichtsdestotrotz hatten die Jungen ihren Spaß beim ungewohnten Training mit dem Coach, der seit mehreren Jahren im Bayerischen Staatsopernstudio und im Berliner Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden, das durch die Liz-Mohn-Kultur- und Musik-Stiftung gefördert wird, unterrichtet. Außerdem gibt er regelmäßig Meisterkurse in Tel Aviv, Antwerpen, Brügge und Montreal. Denn Norris nutzte die vom Knabenchor erarbeiteten Lieder des Münchener (Film-)Komponisten Erich Ferstl und ließ sie diese mimisch und szenisch umsetzen. Das war für die meisten der jungen Sänger allerdings Neuland. Denn nur wenige von ihnen, Jannis Maaskerstingjost, Simon Borkowski und Carl Luis Lange, standen schon als "die drei Knaben" in Mozarts "Zauberflöte" im Rampenlicht einer Opernbühne. Gesang und Schnauspielerei unter einen Hut zu bringen, das trieb daher doch noch dem einen oder anderen Schweißtropfen auf die noch faltenfreie Stirn.
Nicht nur die Zuschauer hatten ihren Spaß, als Norris die Jungen beim "Frosch-Quak-Chor" munter über die Bühne hüpfen ließ, sie Boogie-Woogie-Bewegungen zur "Ananas im Regenfass" machen mussten und diverse Grimassen schneiden sollten beim mitreißenden "Oma-füttert-ihren-Pudel"-Lied. Alles, um Körper und Stimme in Einklang zu bringen. Bothmann begleitete mit Verve am Klavier, froh darüber, nicht selbst mitmachen zu müssen - und sichtbar stolz auf "seine Jungs".
Doris Pieper