05.04.2011, Neue Westfälische / Die Glocke

Bald reif für die Bundesliga

Knabenchor Gütersloh begeistert beim Heimspiel in der Orangerie

Ein Knabenchor? Was hierzulande noch vor kurzem für müdes Achselzucken gesorgt hätte, ist innerhalb von nur vier Jahren in Gütersloh ein echter Renner geworden. Der Knabenchor Gütersloh, er hat dank seiner Leiter Sigmund Bothmann und Ernst-Leopold Schmid auch überregional einen guten Klang.
Ist es da noch ein Wunder, dass das Benefizkonzert zu eigenen Gunsten mit 180 Gästen in der Orangerie nicht nur schwer ausverkauft war, sondern -auf beiden Seiten- hörbar viel Spaß bereitete? Das eingenommene Geld wird beim Knabenchor sinnvoll eingesetzt. Sogar einen eigenen Tourbus hat das kleine Unternehmen schon, um gemeinsam den zunehmenden Konzertverpflichtungen nachkommen zu können. Eine Idee, die sich die Gütersloher bei den Jugendmannschaften des SC Schalke 04 abgeschaut haben. Womit deutlich wäre, wo sich der Knabenchor in der Musikszene verortet sieht: Nicht in der Regional-, sondern in der Bundesliga des Chorgesangs.
In der Tat sind die Jungs nicht mehr weit davon entfernt, auf dieser Ebene mitmischen zu können. Wenn man hörte, mit welcher Andacht sie Mendelssohns Motetten op. 39 sangen, das war bemerkenswert. Und als sie die in der Stimmführung gewiss nicht leichten drei Liebeslieder-Kanons von Mozart sicher bewältigten, zudem auswendig und auf italienisch, war des Staunens kein Ende.
Derart gefestigt, konnte auch Rossinis Musica sacra im ungewöhnlich beschwingten Dreiertakt nur belcantohaft gelingen, zumal Catalina Bertucci im geistlichen Lied "La Cariitá" ihren herrlichen Sopran emphatisch beisteuerte und Bettina Pieck sicher am Klavier begleitete.
Die Detmolder Sängerin war auch drei Knaben in Szenen aus Mozarts "Zauberflöte" eine spielbegeisterte Partnerin, von Gesangslehrer und Co-Dirigent Christian Bonath vom Klavier aus geleitet.
Absolut souverän agierten hier die Jungen in zwei unterschiedlich besetzten Knabenterzetten, ihre Erfahrung aus der Produktion des Detmolder Landestheaters einbringend. Dass auch Intendant Kay Metzger den Weg in die Organgerie gefunden hatte, spricht für die Wertschätzung der Arbeit, die in Gütersloh geleistet wird.
Selbst deutsche Volkslieder klangen bei den Knaben nicht muffig oder irgendwie "tümmlich" sondern wurden begeistert frisch aufgetischt. Dass den Jungs die Lieder eines Erich Ferstl allerdings noch ein bisschen mehr liegen, die sie nicht nur brillant sangen, sondern unter Bothmann musikalisch spannend erzählen konnten, hat auch mit den höchst witzigen Texten über dicke Pudel und der "Ananas im Regenfass" zu tun. Ein Riesenvergügen.
Matthias Gans

(mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen)