21.09.2010, Münsterland-Zeitung Ahaus, 21.09.2010

So ein Struwwelpeter

Knabenchor Gütersloh singt in der Landesmusikakademie NRW

HEEK Musik erzeugt Stimmungen, das ist bekannt. Die Interpreten der Musik sind die eigentlichen Garanten für die erzeugte Stimmung, das wird nicht immer beachtet. Nach dem Konzert des Knabenchors Gütersloh im Konzertsaal der Landesmusikakademie spiegelte sich beides auf den Gesichtern der rund 70 Konzertbesucher wider.

Alle gingen beschwingten Schrittes zufrieden nach Hause. Schuld im besten Sinne waren die jungen Musiker und ihre erwachsenen Begleiter. Inhalt des Konzerts war Tilo Medeks »So ein Struwwelpeter«, ein musikalischer Bilderbogen als Kantate für Kinderchor, Kindersolisten und Instrumentalisten nach Texten von Hansgeorg Stengel.

Locker, dennoch hochkonzentriert, selbstbewusst, text- und tonsicher präsentierten sich die 25 jungen Sänger im Alter von sechs bis 13 Jahren. Ernst Leopold Schmid, Leiter der Landesmusikakademie in Heek-Nienborg, hatte 2007 zusammen mit Sigmund Bothmann den Knabenchor gegründet. Beide haben den Weg des Chores als künstlerische Leiter gelenkt und gefördert. Umso mehr freute sich Schmid sichtbar, an der Stätte seines Wirkens als Moderator und Dirigent dieses besonderen Konzerts auftreten zu dürfen.

Schmid hatte engen privaten und musikalischen Kontakt zu Tilo Medek, der 2006 im Alter von 66 Jahren in Duderstadt starb. Seit 27 Jahren wurde dieses Werk erstmals wieder von Schmid auf die Bühne gebracht. Immer noch sind die Texte im pädagogischen Sinne hochaktuell, denn es geht in ihnen um eigensinnige, störrische und heute auch fernsehbesessene Kinder. Egoistische und gutmütige Erwachsene, die trotz der Verspottung durch die Kinder immer da sind, wenn sie gebraucht werden, fehlen in den Texten ebenso wenig.

Deutlich spürbar war, wie sich die Kindersolisten auch mental in ihre jeweilige Rolle begaben. Die besungenen Charaktere passten zu den unterschiedlichen Stimmlagen, die auch ein Knabenchor zu bieten hat. Begleitet und unterstützt wurden die mehrstimmigen Gesänge von hervorragenden Instrumentalisten. Das Marimbafon mit Matthias Suter durfte auch dabei nicht fehlen. In der Musik von Medek spielt dieses Instrument immer wieder eine dominante Rolle.

Gabriele Henn (Flöte), Johannes Overbeck (Fagott), Harald Persicke (Pauken), Simon Lessing und Wolfgang Fischer (beide Schlagzeug) freuten sich über den begeisterten Schlussapplaus, der allen Akteuren galt. Elvira Meisel-Kemper
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