14.12.2010, Die Glocke

Musikalische Weichen für die erste Liga sind gestellt


"Da singen die französischen Nonnen, und es ist wunderlieblich. Und da habe ich einen sonderbaren Entschluss gefasst: Ich komponiere ihnen etwas für ihre Stimmen, die ich mir recht genau gemerkt habe." So schrieb Felix Mendelssohn-Bartholdy nach dem Besuch der römischen Kirche "Trinità dei Monti" und schuf seine drei Motetten op 39, unter ihnen das "Veni Domine - Komm, Herr". Das hatte der Knabenchor Gütersloh seinem Adventskonzert als Leitgedanken vorangestellt: Hätte Mendelssohn diesen Chor am Sonntag mit seiner Motette in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche erleben können, seine Begeisterung wäre wohl kaum geringer ausgefallen als die des Publikums, das mit Applaus nicht sparte.
Viel ist geschehen seit der Aufbauzeit des Chors, unüberhörbar sind die Fortschritte, seit Christian J. Bonath, Kirchenmusiker mit Schwerpunkt Dirigieren, sich als fest angestellter Chorleiter um jeden der rund 50 Knaben im Individualunterricht kümmern kann. So hat die Formation entscheidend an Kraft und Fülle gewonnen. Das besorgen in erster Linie die satten Altstimmen. Sie bilden den passenden "Kontrapunkt" zu den strahlenden Sopranstimmen. So hat es Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann als künstlerischer Leiter auch gewollt und sein Anspruch fand uneingeschränkte Bestätigung mit Mozarts "Inter natos mulierum" (KV 72). Die Vertonung des Offertoriums zum Fest Johannnes des Täufers unterstreicht dessen Bedeutung als zentrale adventliche Figur.
Ernst Leopold Schmid, Leiter der NRW-Musikakademie in Heek, übernahm anschließend die Stabführung. Er führte seine Knaben so stringent, dass sie jede Nuance seines Dirigats sofort sängerisch umsetzten. In der "Alpenländischen Weihnacht" mit einem Dutzend Titeln demonstrierten sie, wie diese Musik ihre ungebrochene Kraft aus der Jahrhunderte alten Volksfrömmigkeit schöpft. Vor allem blieben die Jungen dabei glaubwürdig. Denn sie unterlagen nicht der Versuchung, dieser originären Volksmusik fragwürdige Verbesserungen überzustülpen. Da nimmt man lieber mal einsatztechnische Ungenauigkeiten in Kauf als ein Erstarren in Routine.
Bonath ließ zum Ausklang Sänger und Zuhörer in deutschen Weihnachtsliedern schwelgen. Enttäuscht wurden die, die den üblichen sentimentalen Kitsch erwartet hatten. Bestätigt wurden die, die mit Bothmann und Bonath den Aufstieg ins Spitzenfeld der "ersten Chorliga" erträumen. Die Weichen sind richtig gestellt.
Bernd Heumüller

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