22.09.2009, Die Glocke

Sinnenfrohes Singen fürs neue Theaterhaus

Gemeinsames Konzert von Bachchor und Knabenchor

Sinnenfrohes Singen fürs neue Theaterhaus

Es ist so eine Sache mit Benefizkonzerten: Wie oft verbirgt sich schlecht Gemachtes hinter gut Gemeintem. In diese Verlegenheit konnte das zweckdienliche Singen für das neue Theater von Bach- und Knabenchor am Sonntag die rund 250 Musikfreunde des Städtischen Gymnasiums nicht bringen. Dort begegneten sich Anlass und Aufführung in bestmöglicher Weise.
Vor allem aber präsentierte der Termin den Bachchor mit einem Repertoire, das im Konzertbetrieb immer seltener zu hören ist, zumal in dieser Qualität. Ganz der Romantik hatte Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann den ersten Teil gewidmet, der allein vom Umfang her schon einer eigenen Veranstaltung entsprochen hätte.
Einem Jubilar dieses Jahres, Felix Mendelssohn Bartholdy (200. Geburtstag), mit den Liedern für gemischten Chor op. 59, war die Eröffnung vorbehalten. Eine Sammlung, die nicht nur das berühmte, gleichsam zum Volkslied gewordene "O Täler weit, o Höhen enthält, sondern Musik, die vom nächtlich raunenden "Die Nachtigall" bis zum szenisch-dramatischen "Jagdlied" dem Chor alle Nuancen des Tons und der Dynamik abverlangt. Doch Sigmund Bothmann hatte seinen Chor bestens vorbereitet, so dass es weder am Ausdruck noch an der rhythmischen Sicherheit und an Textverständlichkeit mangelte.
Hinreißend, wie Chor und Dirigent anschließend in Robert Schumanns "Der Schmied" die Hammerbewegung mit leichten Schwellern im Dreiertakt verdeutlicht das Echo "Im Walde" andeutet, und in der "Romanze vom Gänsebuben" auch nötigen Humor erkennen ließen. Bettina Piecks schöner Alt bereicherte das herrliche "Ständchen" für Männerchor von Franz Schubert. Und im von Christian Weiherer am Klavier tüchtig befeuertem "Tafellied" von Johannes Brahms wurde überraschend klar, dass der kühle Klare aus dem Norden nicht nur im komplexen Tonsatz ein Meister war. Donnernder Beifall.
Der Auftritt des Knabenchors unter Ernst Leopold Schmid brachte alles zusammen: das geistliche Lied im schwärmerischen Tonfall eines Giacchino Rossini, die dramatische Opernszene und den derb-frivolen Kanongesang. Während die zunächst 25 Knaben in lupenreinem Italienisch von "Treue", "Erbarmen" und "Hoffnung" sangen, ging es mit Mozart-Kanons ins Finale. Es war ein Vergnügen zu erleben, wie viel Spaß die nunmehr 38 Knaben an den mal im Wiener Dialekt, mal auf Pseudo-Latein verfassten, auswenig gesungenen und allesamt herrlich ordinären Texten hatten.
Zwischendurch durfte eine Auswahl von sechs Jungen in Mozarts "Zauberflöte" in unterschiedlicher Besetzung die Szenen mit den drei Knaben übernehmen. Und das gelang so souverän und klangschön, dass die exzellenten erwachsenen Solisten -Sopranistin Sabine Ritterbusch als Pamina und Bariton Christopher Jung als Papageno sowie Ernst Leopold Schmid als versierter Pianist- ihre ganze Konzert- und Bühnenerfahrung aufbieten mussten, um nicht wie Waisenknaben dazustehen. Solch pulsierendes Theaterblut möchte man gern auf der Bühne erleben. Gut, dass wir bald ein neues Haus haben.
Matthias Gans