22.12.2009, Neue Westfälische

Jung und Alt in Einklang

Gemeinsames Weihnachtskonzert von Knaben- und Bachchor

Immer häufiger geht’s beim Bachchor Gütersloh nicht mehr ohne die Knaben. Auch beim diesjährigen Weihnachtskonzert gestalteten die rund 40 Jungen fast die Hälfte des Programms mit. Und sorgten, indem sie auch ihre Eltern und Großeltern mit ins Konzert lockten, für eine stark besuchte Martin-Luther-Kirche, die ohne das Schneetreiben sicherlich ausverkauft gewesen wäre.
Der Kinderbonus, so denn er jemals in Anspruch genommen worden wäre, gilt beim Knabenchor schon lange nicht mehr. Die Leiter, Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann und Ernst Leopold Schmid von der Landesmusikakademie in Heek, haben einen Chor geformt, den man getrost einzig an seiner Qualität, und nicht am Alter seiner Mitglieder messen darf.
Das abwechslungsreiche Programm am Sonntag verlangte stilistische Vielseitigkeit. Offenbarten die Knaben und die Herren des Bachchores unter Sigmund Bothmann eingangs bei Michael Praetorius’ "Den die Hirten lobeten sehre" noch tiefste Vertrautheit mit dem Gesungenen, so waren die drei Mozart-Chorsätze durchaus ungewohnte Repertoire-Ausflüge. Ernst Leopold Schmid hielt die Mannen, und auch die selbstbewusst auftrumpfenden Knabensolisten in diesen drei eher unkomplizierten Stücken zu beschwingtem, gleichwohl dynamisch nuanciertem Musizieren an, vom klein besetzten Bachorchester vital unterstützt. Mit Kerzen in der Hand und den Gregorianischen Choral" Rorate caeli" singend und in die Kirchen einziehend, eröffnete der Bachchor den zweiten Programmteil. Die Klangfülle des mit knapp 50 Stimmen üppig besetzten Chores stand einer beweglichen Auffächerung der Polyphonie in Schützens "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" nicht entgegen, verlieh dem doppelchörigen "Lieber Gott, wecke uns auf" von Johann Christoph Bach wuchtige Entfaltung und dem konzis gesetzten "Mangnificat" Johann Pachelbels vokale Prägnanz.
Dass der Chor auch für die melodisch-tonale Schönheit zeitgenössischer Komponisten aus dem Norden ein Faible hat, wurde einmal mehr in der atmosphärisch packenden Interpretation des "Ave maris stella" des 1945 geborenen Norwegers Trond Kverno spürbar. Zusammen mit "Tota pulchra est" von Maurice Duruflé, dem ausschließlich die Bach-Damen ihre ausdrucksstarken Stimmen schenkten, und dem melodisch sanft gen Himmel strebenden "Ave Maria" von Franz Biebl, war dies wohl der stimmungsvollste Abschnitt des Konzerts, das mit dem doppelchörigen "Zwei der Seraphime" von Jacobus Gallus, von Knaben- und Männerstimmen im zweiten Chor von der Empore gesungen, zu einem jubilierenden Ende brachten.
Der große Beifall, der zwischen den einzelnen Stücken eher störte, war am Ende des Abends mehr als berechtigt. Matthias Gans