14.12.2009, Lippische Landes-Zeitung

Von Männerbünden und Vogelmenschen

Zauberhafte "Zauberflöte" als Premiere im Landestheater

Detmold. Riesiger Beifall für alle Beteiligten. Er belohnte am Freitagabend im Landestheater eine zauberhafte Interpretation der "Zauberflöte" mit stark vom Freimaurertum geprägten Zügen.

Überraschung! Nicht die listige Schlange bedroht den Prinzen Tamino, sondern ein gar nicht so grimmig wirkender Löwe, der für die Urfassung von Mozarts meist gespielter Oper steht. Überhaupt beleben ständig wilde Tiere, die sich sehr menschlich aufführen, in der Inszenierung von Hinrich Horstkotte das mit freimaurerischen Symbolen gestaltete Ambiente.

Hier prägen die Werkzeuge der mittelalterlichen Steinmetze, aus denen die von humanitären Idealen gezeichneten Männerbünde hervorgingen, die am Anfang stehende Vision einer harmonischen Welt. Denn bis zum glücklichen Ende, bei dem die Abtrünnigen wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden, taucht zwischen den klassizistischen Tempeln immer wieder eine noch zu überwindende Mauer auf.

Die symbolträchtigen fünf Akkorde des Anfangs klangen unter der Leitung von Erich Wächter so luzid und transparent, wie das Orchester des gesamten Abends. Begeisterung riefen die Leistungen der weiblichen Hauptpersonen hervor: Mandy Fredrich als "Königin der Nacht" mit glitzernd glasklaren Koloraturen, dazu Catalina Bertucci als silberhell singende Pamina. Ihr zur Seite stand der Tamino von Patrick Henckens mit schlankem, lyrisch gefärbtem Tenor.

Perfekt aufeinander abgestimmt erklangen die Terzette der Königin-Damen, und besonderer Beifall galt den Auftritten der aus dem Knabenchor Gütersloh kommenden jungen Solisten. Schon bei seinem ersten Erscheinen gewann Kyung-Won Yu die Herzen des Publikums. Das gilt nicht nur für seine stimmliche Leistung, sondern auch für seine überzeugende Darstellung des Vogelmenschen Papageno – angesiedelt zwischen herzhafter Komik und tragischer Verzweiflung.
Kurz, aber eindrucksvoll erschien Esther Merthel als gefiederte Partnerin Papagena. In der kleineren Rolle des kohlpechrabenschwarzen Mohren Monostatos überzeugte Markus Gruber, der schon durch seine Körpersprache finstere Absichten erkennen ließ. Einzig Vladimir Miakotine ließ in der Rolle des Sarastro an diesem Abend die sonst bei ihm gewohnte, opulente Stimmfülle vermissen.

Ein von Marbod Kaiser einstudierter, stimmstarker Chor, dessen Frauen sich immer wieder leicht aufmüpfig gegen die dominierende Priestergesellschaft verhielten, sorgte – angeführt von dem trefflichen "alten Priester" Rainer Weiss – für glanzvolle Massen-Auftritte. Diese "Zauberflöte" ist ein "Muss" für jeden Opernfreund und alle, die es noch werden wollen.
VON ILSE FRANZ-NEVERMANN