02.12.2006, Glocke

Auf dem besten Weg zum Chorkompetenzzentrum


Gütersloh (gl) Was wäre Mozarts "Zauberflöte" ohne den Auftritt des reizenden Knabentrios? Sicherlich nur halb so schön. Indes, es mangelt an ausgebildeten Jungenstimmen. Dem will Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann nun abhelfen. Mit Unterstützung der Landesmusikakademie Heek, getragen von einem eigens gegründeten Trägerverein, will er, wie die "Glocke" berichtete, am 1. Januar 2006 den Knabenchor Gütersloh aus der Taufe heben.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bothmann, der mit der Choralsingschule bereits eine ambitionierte Talertschmiede vorzuweisen hat, möchte mit diesem Projekt explizit die Jungen fördern. Deshalb zieht er durch die Gütersloher Grundschulen auf der Suche nach Stimmnachwuchs. Bislang hat er 25 potenzielle Teilnehmer gefunden.
Diese Basisarbeit tut not, denn nachweislich sind Jungen in Kinderchören unterrepräsentiert. Einen reinen Knabenchor gibt es außer dem "Paderborner Domchor" noch nicht in der Region. "Doch wo kein Nachwuchs aufgebaut wird", so Trägervereinsvorsitzender Dr. Siegfried Luther, " kann es später auch keine funktionierenden Erwachsenenchöre geben". Es mangele an musikalischer Erziehung sowohl im Elternhaus, als auch in der Schule. Dagegen soll etwas getan werden. Das ist ein Ansatz. Hinzu kommen der künstlerische Aspekt - Knabenchöre haben einen ganz besonderen Klang - und auch der persönliche: Bothmann möchte neben seinen großen Bachchor-Konzerten die ursprünglichste Chorarbeit überhaupt wieder in Angriff nehmen. Ernst Leopold Schmid, Leiter der Landesmusikakademie Heek, erklärt: "Die heutige Chormusik fußt auf den Männer- und Knabenchören der Renaissance und des Barocks. Wir beleben diese fast vergessene Kulturtradition wieder."
Nicht von ungefähr hat er die Zusicherung der Landesregierung dieses Projekt zu unterstützen. Düsseldorf plant ohnehin die Einrichtung von sogenannten Chorkompetenzzentren. Mit dem Knabenchor empfiehllt sich Gütersloh als Standort.
Die erste Probe im Haus der Kirche, Kirchstraße 10a, ist für den 8. Januar vorgesehen. Es folgt eine vierwöchige Probephase. Schmid als langjähriger Stimmbildner und Chorleiter des Tölzer Knabenchors und Bothmann als ehemaliger "Regensburger Domspatz" übernehmen die Leitung, unterstützt von weiteren Stimmbildnern und demnächst auch von einem Musikpädagogen in halber Stelle. Die Finanzierung ist mit Unterstützung der Firmen Bertelsmann, Miele, Noblilia und der Sparkasse für die ersten fünf Jahre gesichert. Dann, hofft Bothmann, wird er bereits 80 kleine Sänger zwischen 6 und 13 jahren dirigieren. Zu hören sein wird der Knabenchor Gütersloh erstmals im Herbst 2007.