09.09.2008, Die Glocke

Neuer Stern leuchtet am Musikhimmel


Gütersloh (gl). Am heimischen Musikhimmel leuchten schon viele Sterne. Seit Sonntag glänzt ein weiterer: der KnabenchorGütersloh, vor kaum zwei Jahren ,,geboren", wurde in der Martin-Luther-Kirche offiziell aus der Taufe gehoben. Zwei Stunden pure, ungebremste Sangesfreude, getragen von einer Woge der Begeisterung.
Geradezu prädestiniert als musikalische ,,Eltern" leiteten Ernst Leopold Schmid, Leiter der Landesmusikakademie Heek, sowie Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann den Auftritt. Sie haben im Tölzer Knabenchor und bei den Regensburger Domspatzen ihre musikalischen Wurzeln. Prominente,,Taufpaten" machten ebenfalls ihre Aufwartung: Bürgermeisterin Maria Unger, Dr. Siegfried Luther als Vorsitzender des Trägervereins des Knabenchors und Ute Luther als Vorsitzende der Evangelischen Stiftung, die zu diesem Benefizkonzert geladen hatte. Bis an die Grenzen der Tonalität reicht Benjamin Brittens ,,Missa brevis in D" op. 63. Sie prägt sich kaum über das Ohr ein. Umso mehr forderte sie von den Knaben eine intellektuelle Hochleistung ein, sowohl bei der Einstudierung als auch bei der Aufführung.
Stark vom Wortduktus qeleitet sind die Vertonungen der Choralmotetten von Hugo Distler ,,Wie der Hirsch schreit" und ,,Verleih uns Frieden". Dabei kamen den Knaben neun junge Männerstimmen zu Hilfe, die das musikalische Fundament bildeten.
Füinf Kanons derben Inhalts von Mozart leiteten zu einem Block bekannter deutscher Volkslieder über. Auf den Punkt trafen die junge Sänger deren unterschiedliche Inhalte und Gemütslagen. Wenn es bei ,,Im schönsten Wiesengrunde" in einer voll besetzten Kirche richtig still wird, bedarf es keines weiteren Kommentars mehr. Ob ,,Auf der schwäb'schen Eisenbahn", "Schwarzbraun ist die Haselnuss" oder "Auf einem Baum ein Kuckuck saß", immer wieder brandete spontaner Beifall auf. Hatten die Knaben sich bis dato außer in Latein und Deutsch auch in österreichischer und schwäbischer Mundart auf der Höhe gezeigt, so taten sie dies nun auch noch in der musikalischsten aller Sprachen. als sie zwei italienische Volkslieder im Original brachten. Und dabei ist der jüngste gerade erst sieben Jahre alt. Mit Erich Ferstls..Fünf Lieder" legten die Jungen noch eins obendrauf : Vordergründig kindgerechte Spaßlieder, geben diese in feinsinniper Ironie viel Lebenserfahrung preis. Da sprühten die Funken der Begeisterung. Das Auditorium war aus dem Häuschen und feierte die beeindruckende Leistung dieses jungen Chors und seiner musikalischen Köpfe. In Rekordzeit haben diese die Knaben geformt und gebildet ohne sie zu verbiegen.
Bernd Heumüller