09.09.2008, Westfalenblatt

Funke springt sofort aufs Publikum über

Mehr als 1000 begeisterte Zuhörer beim Debütkonzert des Gütersloher Knabenchors.

Gütersloh (WB). Anderthalb Jahre haben die Jungen unter der Leitung von Ernst Leopold Schmid und Sigmund Bothmann fleißig geübt. Das Debutkonzert des Gütersloher Knabenchors in der Martin-Luther-Kirche übertraf alle Erwartungen.

Die Aufregung war spürbar. Zum ersten Mal präsentierte sich am Sonntagabend der Gütersloher Knabencher einem größeren Publikum.
Mehr als 1000 Zuhörer begleiteten das Debütkonzert mit viel Applaus. Unter der Leitung von Emst Leopold Schmid und Sigmund Bothmann übten die Jungen anderhalb Jahre, um für die Premiere gerüstet zu sein. Die Mühen haben sich gelohnt: Das umfangreiche Programm reichte von anspruchsvollen und nach Noten gesungenen Chorsätzen aus der Modeme über auswendig gesungene Klassik und Romantik bis zu durchweg frei von Noten dargebotenem Volksliedgut. Das zugunsten der Evangelischen Stiftung Gütersloh veranstaltete Konzert wurde mit Benjamin Brittens (1913-1976) Missa brevis in D op. 63 eröffnet. Hierbei kam auch schon die sich aus Bothmann und Schmid zusammensetzende Doppelspitze eindrucksvoll zur Geltung. Die von Emst Leopold Schmid dirigierten Knabensoprane stimmten den von Sigmund Bothmann an der Orgel dissonant, auftaktenden, hohen Ton sowohl klanglich als auch rhythmisch exakt an. Dissonantes mündete allerdings nach absteigender Melodieführung alsbald im mit der Altstimme sich versöhnenden, harmonischen Akkord des "Kyrie eleison". Es folgten das mit dynamischen Gegenrhythmen durchsetzte "Gloria", die sensible Miniatur eines "Sanctus", das im Takt streng durchgetragene "Benedictus" und das musikalisch anspruchsvolle "Agnus Die". Wie in Hugo Distlers (1908-1942) Choralmotette "Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser" - diese wurde unter Bothmanns Leitung in A-cappella gesungen - reichte auch hier das Klangspektrum von dissonant bis hamonisch. Unterstützt von Jugendstimmen (nach dern Stirnmbruch) wurde zwischen den beiden obigen Werken das kanonische Kirchenlied "Lobet den Herren, den mächtigen König" zum Besten gegeben. Anschließend erklang in selbigem Unisono das anrührend schöne "Verleih uns Flieden gnädiglich". Viel Spaß machten die anschließend
zum Besten gegebenen fünf Kanons von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Trotz oder gerade wegen humorvoller und zum Teil unanständig derber Texte bereiteten die zunächst ein- und anschließend vierstimmig gesungenen Kanons "Lieber Freistädtler",
"G'rechtelt's enk", "Gehn wir im Prater", "Difficile lectu mihi mars" und "Bona nox", sowohl den Jungen als auch dem Publikum spürbare Freude. Deutsche Volkslieder wie "Auf der schwäb'sche Eisenbahne" oder "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" sowie die italienischen Volkslieder "Bon giorno Leonora" und "Ninetta" schlossen sich an. Abgerundet wurde das Konzert von fünf weiteren Liedern. Die Begeisterung der Knaben war mittlerweile auf das tosend applaudierende Publikum übergesprungen. Erst nach der Zugabe "Im schönsten Wiesengrunde" konnten sich die Zuhörer wieder vom Klatschen beruhigen.
Von Johannes Zoller